Sauerland Frühjahr 2012

Sauerland Frühjahr 2012

Fr.

Vom Büro nach Hause, die letzten Dinge zusammengepackt und das Ganze auf bzw. ins Gespann geladen. Noch kurz auftanken und ab geht es auf die Autobahn Richtung Norden. Heute Abend aber nur ca. 200km zum Heim meiner Beifahrerin. Auf ihren Wunsch dieses Mal mit dem Gespann. Der viele Verkehr macht die Fahrt etwas länger als erwartet, dafür ist das Wiedersehen umso inniger.

Sa.

Erst mal ausgeschlafen. Oder zumindest beinah. Nach ettlichen Kaffees und einem reichhaltigen Frühstück, von Zigaretten ganz zu schweigen, gehts schliesslich los. Ob der reichliche Stauraum im und auf dem Gespann Vater des Fahrzeugwunsches war? Wie dem auch sei, es wird alles verstaut und verzurrt und ab geht es auf die Autobahn.
Gespann wird bepackt
Weiter Richtung Nord. Sehr weit kommen wir nicht bis wir das erste Mal im Stau stehen. Dann wieder flotte Fahrt bis zum nächsten Stau. So kommen wir trotz Autobahn nicht wirklich zügig vorwärts. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis Frankfurt. Dort gönnen wir uns eine kurze Rauch- und Trinkpause bevor es auf Haupt- und Nebenstrassen weiter nordwärts geht. Wegen des Pfingstwochenendes habe ich ein Hotel gebucht. Mein Navi führt uns auf verschlungenen Wegen langfsam aber sicher dahin. Die Vorgabe "Motorradtour langsam" verwöhnt uns mit herrlichen Nebenstrassen, die ich ohne dieses Ding wohl kaum gefunden hätte. Irgendwo "am Arsch der Welt" machen wir Kaffeepause. Danach weiter Richtung Nord. Mal Nebenstrasse, mal Bundesstrasse. Hier im Taunus hält sich der Verkehr in Grenzen, sodass die Fahrt wirklich ein Genuss ist. Schliesslich kommen wir nach Hallenberg, wo wir noch auftanken, bevor es einen Ort weiter geht zum besagten Hotel im Liesetal. AussichtVomHotel Herzlicher Empfang, nettes Zimmer mit Balkon, gutes Essen und Garage fürs Gespann sind höchst willkommen. Wie auch die erfrischenden Getränke auf der Terasse an diesem lauen Frühlingsabend.

So.

Eigentlich war unser Aufenthalt hier in Liesen ja nur als Zwischenhalt auf dem Weg in den Norden vorgesehen. Aber die Gegend gefällt uns so gut und das Wetter passt auch, dass wir uns entschliessen, eine weitere Nacht anzuhängen. Somit haben wir Zeit für eine Sonntagstour durchs Sauerland. Wir richten unsere Tour nach Vorschlägen aus einem "Road Book" für Motorradfahrer, das uns der Wirt zur Verfügung stellt (es ist u.a. auch an Tankstellen erhältlich). Und liegen absolut richtig damit. Herrliche Strassen durch herrliche Gegenden, kurvenreich mit viel bergauf und -ab. Mehr als ich für diese Gegend je geahnt hätte. Viele andere Motorradfahrer tun es uns gleich. Vom Einzelfahrer über Paare, kleine Gruppen bis zu halben Grosskonvoys ist alles zu sehen. Hat es möglicherweise sogar mehr Motorräder als Autos? Auf einzelnen Strassen ganz sicher. Über Winterberg, Kahlen Asten, Langewiese geht es erst mal nach Westen. Dann über Siedlighausen, Assighausen, Brilonwald Richtung Norden. Kurz vor Brilon biegen wir rechts ab und fahren zum Diemelsee. Diemelsee
Hier beim Bikertreff legen wir eine längere Pause ein mit Glacé (Eis) und Aussicht auf den See. Auf dem reservierten Parkplatz dutzende wenn nicht hunderte Motorräder.
Bikertreff Diemelsee
Danach geht es Richtung Süd auf beinah einsamen, kurvenreichen Strassen (teilweise mit Nickerchen) über Rheda, Medebach und Husborn zurück nach Liesen. Noch immer ist es sonnig und warm als wir erst mal etwas trinken bevor wir unter die Dusche gehen. Ein Tag der eindeutig Lust macht auf mehr Sauerland.

Mo.

Das Wetter hier soll weiterhin gut bleiben. Und der Strassen sind noch viele zu erfahren. Kein Grund also, die Gegend zu verlassen. Ganz im Gegenteil. Die heutige Tour soll etwas ausgedehnter ausfallen. Vor Allem weiter in den Westen. Über Züschen, Winterberg, Neuastenberg soll es erst mal nach Schmallenberg gehen. Ich habe versucht, die Tour in mein neues Navi einzugeben, was zwar gelang, aber nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Beim Ersten Zwischenziel ging Alles "verloren", sodass ich die Tour erneut erfassen muss. Gebrauchsanweisung lesen oder zumindest dabei haben, wäre von Vorteil! SauerlandblickAber so richtig aufhalten lassen wir uns davon nicht. Wir kommen trotzdem auf wiederum herrlichen Strassen voran. Bei Plettberg scheint die Strassenführung nicht mit meinem Navi überein zu stimmen, sodass wir schliesslich ungewollt bis Werdohl fahren. Der Weg von dort zurück auf die vorgesehene Route entschädigt dann aber bei Weitem für den kleinen Ärger. Ärger über das Navi oder den Benutzer? Die Frage bleibt offen. Hauptsache es geht auf gewollten Strassen weiter und gleichzeitig durch unendlich scheinende Felder, Wiesen und Wälder. Das Ganze natürlich unterbrochen zwecks Flüssigkeits- und Nikotinaufnahme. Schlussendlich kommen wir zwar später als vorgesehen, aber höchst zufrieden nach Liesen zurück. Gerade rechtzeitig zum Abendessen, bei dem wir die einzigen Gäste sind. Alle anderen waren nur für Pfingsten hier. Zum Tagesabschluss dann der Schweizer Tatort.

Di.

Noch immer schönes Wetter und noch viele unbefahrene Strassen. malerische KircheKein Grund also, die Gegend zu verlassen. Heute eine eher kurze Tour. Erstes Zwischenziel ist Willingen (Upland). Ein Touristenort ertser "Güte", sogar mit Schuhgeschäften(!?). Aber Kaffeehalt gibt es trotzdem. Und das mit dem Navi und ganze Touren eingeben klappt nun auch schon besser. Es führt uns nach der Pause auf immer wieder schönsten Strassen durch prächtige Täler, über sanfte Hügel und weniger sanfte Berge, durch malerische Dörfer. Macht richtig viel Freude. Nix sauer im Sauerland.
Da wir der kurzen Tour wegen schon früh zurück sind, fahren wir an Liesen vorbei nach Hallenberg, um uns hier ein wenig umzusehen. Vor allem die Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit vielen Wandmalereien begeistert uns. Kirche HallenbergAber auch der Rest der Altstadt hat es in sich. Altstadt HallenbergNach Kaffee und Kuchen treiben uns dunkle Wolken zurück nach Liesen. Mehr als Dunkelheit kam aber nie aus den Wolken. Schon bald ist der Himmel wieder blau und wir ruhen auf dem Balkon bis es Zeit ist fürs Abendessen.

Mi.

Schon wieder Sonne und kaum Wolken. Schon wieder kein Grund, die Gegend zu verlassen. Der Strassen sind ja noch einige, die unserer Erkundung harren. Wir fahren nach dem wie gewohnt reichhaltigen Frühstück über Züschen und Langewiese nach Bad Berleburg, Von dort geht es nach der obligaten Kaffeepause Richtung Osten mit Zwischenziel Frankenberg. Die Route führt uns durch Hallenberg, also beinah an unserem Hotel vorbei. Von Frankenberg dann Richtung Nord, vorerst bis Sachsenberg, wo wir wieder eine Pause einlegen. Und uns die hübsche, kleine Altstadtschiefes Haus ansehen. Die vielen ziemlich schiefen Fachwerkhäuser fallen dabei besonders auf. Unsere Weiterfahrt findet eine ungewollte Änderung bei Herzhausen, da die Strasse von dort nach Buchenberg gesperrt ist. Also weiter Richtung Nord, bis das Navi uns über verschlungene Wege zurück auf die vorgesehen Route führt. In Medelon legen wir noch eine Pause ein zwecks Flüssigkeitsaufnahme. Im Schicki-Micki-Gasthof Kaiserhof, in dem das Wort Gast seine ursprüngliche Bedeutung ganz offensichtlich verloren hat. Nur der Opa war freundlich, wohl weil er früher auch Motorrad fuhr. . .
Bis Liesen ist es dann nicht mehr weit, sodass wir auch heute recht früh zurück sind. Da entgegen der Vorhersagen das Wetter immer noch bestens ist, geniessen wir den Rest des Nachmittags auf dem Balkon. Und sind gespannt auf das morgige Wetter.

Do.

Zwar nicht in den hohen Norden aber zumindest ins nördliche Sauerland soll es heute gehen. Erst mal über Langewiese nach Schmallenberg. Von da aus dann Richtung Nord über teilweise verschlungene Wege bis Meschede. Von weitem schon erkennen wir ein riesiges Gebäude über der Stadt. Sieht aus wie eine Mischung aus Kirche und Festung. Also nix wie hin und etwas genauer ansehen.
Portal
Es stellt sich als Abteikirche heraus. Ein wahrlich beeindruckender Bau aus den frühen 1960-iger Jahren. AbteikircheZusammen mit den Teils älteren, Teils jüngeren Gebäuden, inklisive Gymnasium, bildet sie die Abtei Königsmünster Meschede. Das Innere der Kirche wirkt fast noch monumentaler. Und dies trotz seiner für eine katholische Kirche ausgeprägten Schlichtheit. Oder gerade deswegen? Wie dem auch sei; hinfahren lohnt sich.
Das nächste Ziel ist eher für Weltliches bekannt, insbesondere die Brauerei: Warstein. Schon legen wir wieder eine Pause ein zum Flanieren, Kaffee etc.. Bierbar in WarsteinWir nehmen uns ausgiebig Zeit, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Liesen machen. Im Laufe des Tages haben sich Wolken vor die Sonne geschoben, die sich dann auch kurz vor Winterberg mit heftigem Regen entladen. Auf der Weiterfahrt nach Liesen schwächt sich der Regen zwar ab, aber ganz aufhören mag er nicht.

Fr.

Noch immer regnerisch. Aber auch zu spät, um doch noch in den hohen Norden aufbrechen zu wollen. Wir warten auf eine trockene Lücke und machen uns dann auf Nebenstrassen und sogar Waldwegen auf den Weg nach Winterberg. WinterbergHier besichtigen wir den sehr touristischen Ort zur Genüge. Anhaltender Regen bewegt uns zur baldigen Rückkehr nach Liesen, wo wir uns unseren Lektüren widmen. Auch recht.

Sa.

Der Regen ist vorbei und so ist unser Urlaub. Zeit zurück in den Süden zu fahren. Bei Marburg ist so ungefähr Zeit für einen Kaffee und eine Altstadtbesichtigung. Nur das Motorrad sieht das ein wenig anders. Kaum im Ort reisst das Kupplungskabel und ich muss das Gespann am Fusse der alten Universität abstellen. alte UniWas folgt, sind Telefongespräche und warten auf den Pannendienst. Länger als uns lieb ist, bis wir schliesslich zu einem Motorradhändler verfrachtet werden. Zum Glück sind auch Mechaniker vor Ort, die einen neuen Kupplungszug einziehen können.

von den gelben Engeln aufgeladenUnd wir kommen doch noch zu unserem Kaffee. In der Werkstatt, also ziemlich ausserhalb der Stadt. Schliesslich geht es weiter, aber aufgrund des Umweges über die Werkstatt nicht mehr auf der ursprünglich errechneten Strecke.Altstadt Was erst auffällt, als wir in Frankfurt landen, statt östlich daran vorbei zu fahren. Na ja, Pech gehabt. Irgendwann sind wir am südlich Ende der Stadt und korrigieren die Route. Wir wollen lieber durch den Odenwald fahren und nicht auf oder entlang der Autobahn. Das verlängert zwar unsere Heimreise nochmals, aber es ist jede Minute Wert. Kurz vor zehn Uhr Abends sind wir am Ziel bzw. im Supermarkt. Wir müssen noch etwas zu Essen kaufen.

So.

Den Rest der Reise fahre ich ohne die beste aller Beifahrerinnen. Auf halbem Weg setzt Regen ein. Dann wieder trocken, und wieder Regen. Mal stärker, mal leichter Regen. Nach insgesammt 2040km stelle ich das Gespann in der Tiefgarage ab. Die Kilometer auf dem ADAC-Fahrzeug nicht mitgerechnet.

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